Frei von emotionalem Gepäck in den Sonnenaufgang paddeln

Umgang mit Fehlern: Warum Schuld kein guter Begleiter ist!

Überall lesen wir heute, warum wir positiv mit Fehlern umgehen sollten und warum es sich sogar lohnt, Fehler zu machen. Heiter scheitern sozusagen. Was wir im Kopf vielleicht nachvollziehen können, fühlt sich auf unserer emotionalen Ebene oft ganz anders an. Wir fühlen uns schuldig und schämen uns für unsere Fehler. Diese Emotionen können unser gesamtes Leben enorm beeinflussen.

Immer wieder erlebe ich in meiner Arbeit, dass Fehler mit Scham und Schuld einhergehen – manchmal ganz unterbewusst. Denn ich spreche hier nicht von gravierenden Fehlern mit riesiger Auswirkung auf andere Menschen. Vielmehr geht es um ganz kleine Situationen, in denen man sich gefühlt einfach nur falsch verhalten hat. Dieses (Fehl-)Verhalten ist oft lange, lange her, zieht sich aber doch wie ein roter Faden durch unser Leben, auf den wir die Fehler wie Perlen aufgereiht haben.

Sie tragen Ihre Fehler wie eine Perlenkette um den Hals

Ein Coachee von mir, eine sehr intelligente Frau, war in einer strengen Familie aufgewachsen. Mit dem Glaubenssatz erzogen: „Sei das Veilchen im Moose und nicht die stolze Rose.“ Sie erzählte mir während des Auszeit-Coachings von einer Situation und der Reaktion ihres Vaters, dem sie ins Wort gefallen war. Es sind manchmal ganz banale Situationen; eigentlich schon längst verjährt und bei denen uns andere Fragen: „Wie kannst du dich jetzt noch darüber aufregen oder dich deshalb schlecht fühlen?“

Besonders häufig prägen uns Erlebnisse aus der Kindheit, die uns daher auch gar nicht so bewusst, emotional aber tief verankert sind. Da helfen uns die schlauen Tipps, seine Fehler als Chance zu begreifen, nicht weiter. Kinder sind bis acht oder neun sehr selbstbewusst und denken, „so, wie ich das mache, ist es richtig“. Ab diesem Alter achten sie jedoch mehr und mehr auf ihre Umwelt und nehmen zunehmend wahr, was andere sagen. Wer in diesem Alter zu hören bekommt, dass er sich falsch verhält, nicht so vorlaut sein soll, nicht immer alles besser wissen, nicht so wild… nimmt sich das zu Herzen und denkt, etwas stimmt mit mir nicht. Das ist die erste schwarze Perle für die Kette, an die sich im Laufe des Lebens immer weitere reihen. Und für solche Erlebnisse, Sie können es sich denken, muss man nicht in einer strengen Familie aufwachsen. Gerade Frauen werden häufig dazu erzogen, brav zu sein, nicht aufzufallen, sich zurückzuhalten und zurückzunehmen.

Mit etwas Abstand betrachtet gibt es für jedes Verhalten einen guten Grund

Tragen wir diese Scham für unsere Fehler oder unser vermeintliches Fehlverhalten mit uns herum passiert Folgendes: Entweder wir werden traurig und depressiv oder aggressiv – zwei Seiten derselben Medaille. Wer mit genau diesen Emotionen kämpft und sich gar nicht richtig erklären kann, wo sie herrühren, sollte genau dort ansetzen. Denn bei allem, was wir an Verhalten zeigen, egal wie bescheuert es ist, egal wie unverständlich: Es gibt immer einen Grund für dieses Verhalten – und zwar einen guten. Das gilt ebenso für Süchte, sei es Rauchen, Trinken oder Essen. Wir verlernen, die eigenen Emotionen zu kontrollieren. Dafür finden wir Ausweichstrategien, die unsere lauten Selbstzweifel, die wie Sirenen im Kopf dröhnen, dämpfen oder betäuben sollen.

Mit Fehlern leichter umgehen lernen mit Auszeitcoaching.

Raus aus der Bewertung, rein in die Wahrnehmung

In der Auszeit können Menschen ihr Verhalten mit Abstand betrachten und sich so selbst besser verstehen, genau wie die Reaktionen anderer. Etwas Abstand ermöglicht Ihnen auch, aus der Bewertung raus und dafür rein in die Wahrnehmung zu kommen. Betrachten Sie Ihr Verhalten ganz unemotional und lernen Sie zu verstehen „Ach, so kann man das Ganze auch sehen“ und „Ich könnte mich auch so verhalten“, aber auch: „Ich bin okay so, wie ich bin“. Oft wollen wir neues Verhalten einfach „wegmachen“.  Es funktioniert aber leider nicht ohne zu ergründen wodurch es überhaupt entstanden ist. Wer sich selbst begreift, den eigenen Schatten (auch die Fehler) „an die Hand nimmt“, der begreift sich selbst und „nimmt sich endlich selbst in den Arm“. Wer sich mag und sich verzeihen kann, hat genau die notwendige Klarheit, um – auch bei einer Welle an Emotionen – mit Distanz, klug handeln zu können.

Es gibt nicht einen Weg für alle, sondern für alle einen Weg

Die Menschen kommen mit ihren ganzen Perlen zu mir und wir betrachten jede einzelne davon. Ich höre mir an, was die einzelnen Situationen und vermeintlichen Fehler waren, die oft immer wieder mit dem ersten Schlüsselerlebnis zusammenhängen. Wenn man diese erste Perle zu packen bekommt, dann schneidet man das Band durch und alle Perlen rutschen von der Kette. Dann kann man sie neu aufreihen, so wie man sie tragen will, und hat meer vom Leben.

Herzliche Grüße von Ihrer

 

 

 

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