Zeigarnik-Effekt: Mit Dingen abschließen und dem Gehirn eine Auszeit gönnen

Da ich viele Auszeit-Coachings hier in Spanien mache, die Familien-Auszeit vorbereite und organisiere und selbst Arbeit und Urlaub an der Costa Brava verbinde, ist mir die Umgebung sehr vertraut. So vertraut, dass mir kleine Veränderungen auffallen und mich manchmal stark beschäftigen. Was diese Beobachtung mit dem Zeigarnik-Effekt, Multitasking und unserem Stresslevel zu tun hat, dazu komme ich gleich. 

Ein Beispiel: Auf einer meiner beliebtesten Rennradstrecken hier, passiere ich eine Hundehütte, auf deren Dach so gut wie immer ein Hund liegt und mich neugierig anblickt – seit Jahren schon. Jetzt bin ich schon mehrfach an dieser Hundehütte vorbeigekommen, er ist nie da und mein Kopf geht immer wieder zu diesem Hund zurück und fragt sich, woran es wohl liegt, dass er nicht mehr auf dem Dach seiner Hütte liegt. Ist er vielleicht gestorben?

Was zeigt uns dieses Beispiel? Zum einen klar, dass ich eine Hundeliebhaberin bin, sonst würde mich das wohl nicht groß jucken, was aus dem Hund, den ich nur vom Vorbeigehen kenne, geworden ist. Aber darauf will ich nicht hinaus. Der Punkt ist, dass unser Gehirn sich mit offenen Fragen und unterbrochenen Aufgaben stärker beschäftigt als mit abgeschlossenen.

Der Zeigarnik-Effekt

Die Psychologin Bljuma Zeigarnik ließ an der Universität Berlin bei einem Experiment 164 Probanden verschiedene Aufgaben lösen. Sie sollten etwa ein beliebiges Tier nachkneten, eine Blume zeichnen, Perlen auf einen Faden ziehen oder häkeln. Die Teilnehmer durften aber nicht alle gestellten Aufgaben beenden. Bei einigen unterbrach sie Zeigarnik mittendrin. Im Anschluss konnten sich die Probanden an die unerledigten Aufgaben eher erinnern als an die abgeschlossenen – unabhängig davon, wie lange sie an der jeweiligen Aufgabe gesessen hatten.

Das „Ich habe heute nichts geschafft“-Gefühl

Der Zeigarnik-Effekt ist mit ein Grund, warum wir abends an die vielen unerledigten Aufgaben denken: die unbeantworteten Emails, die unfertigen Texte, die ungewaschene Wäsche… Und die Erinnerung an die vielen Dinge, die wir im Laufe des Tages erledigt haben, nur ganz blass ist.

Wie das Meiste, hat auch dieser psychologische Effekt seine positiven und negativen Seiten. Wer ihn durchschaut, kann ihn für sich nutzen: Eine angefangene Aufgabe baut eine Spannung auf, die die kognitive Zugänglichkeit der relevanten Inhalte verbessert. Mit dem Abschluss der Aufgabe wird die Spannung entsprechend wieder abgebaut. Wird die Arbeit unterbrochen, wird der Spannungsabbau verhindert.

Kleine Aufgaben können ganz viel Kraft kosten

So kann uns jede noch so kleine Aufgabe oder banale Frage weiter und weiter im Gedächtnis herumspuken, uns nachts nicht einschlafen lassen oder uns morgens, weil unser Kopf dorthin wandert, direkt die Laune verderben oder uns von den wirklich wichtigen Dingen abhalten.

Mit To-do-Listen den Zeigarnik-Effekt nutzen

Wir können diesen Effekt allerdings auch zum Positiven nutzen. To-do-Listen beispielsweise spielen mit diesem Phänomen. Die unerledigten Aufgaben auf unserer Liste erzeugen Spannung. Bei zu vielen Punkten oder zu großen Aufgabenstellungen, die sich gar nicht zügig genug abarbeiten lassen, kehrt sich der Effekt aber schnell wieder ins Negative. Bei den vielen offenen Schubladen bleiben kaum Kapazitäten zur Konzentration oder Kreativität. Und sich eine kleine Auszeit zum Entspannen zu nehmen fällt unglaublich schwer. Deshalb ist es wichtig, Aufgaben in Teilschritte zu zerlegen und immer nur Schritt für Schritt vorwärts zu gehen, eine Sache nach der anderen anzugehen.

Wir versuchen es noch immer mit Multitasking

Obwohl mittlerweile bekannt ist, dass Multitasking nicht funktioniert, versuchen wir es im Alltag damit doch immer wieder oder sind einfach mit vielen unerledigten Aufgaben konfrontiert. Ist die eine Mail beantwortet, sind schon drei neue im Postfach gelandet. Ich kann es nur immer wieder betonen:

Multitasking schadet mehr als es nutzt.

Wenn wir nur zwei Dinge gleichzeitig machen, leidet unser IQ. Der Psychologe Glenn Wilson stellte in einer Studie fest, dass uns allein das Aufpoppen einer Mail im Vorschaufenster zehn IQ-Punkte kostet. Zum Vergleich: Beim Rauchen eines Joints sind es „nur“ vier. Außerdem entsteht dadurch das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben oder nicht schnell oder nicht gut genug zu sein. Das führt zu negativem Stress und einem Tunnelblick, in dem wir uns nur noch auf den Mangel konzentrieren – auf das Problem und nicht die Lösung. Und damit verlieren wir tatsächlich wertvolle (Lebens-)Zeit.

Nicht jede unerledigte Aufgabe muss wirklich erledigt werden. Es hilft auch, sich einfach von ihr zu verabschieden. Häkchen dran, Schublade zu. Wichtige Sachen zuerst sowie Dinge, die Sie ganz schnell abgehakt haben. Wenn Sie in diesen kleinen Schritten vorgehen, können Sie wieder anfangen, sich frei und selbstbestimmt zu fühlen.

Und was ist aus dem spanischen Hund geworden? Damit er und alle möglichen Szenarien zu seinem Verbleib mir nicht weiter im Kopf spuken, habe ich einfach angehalten und nachgefragt. Er ist nicht gestorben, aber weggelaufen. Ich stelle mir vor, ihm geht es dort, wo er gelandet ist, gut und kann diese Schublade schließen. Ich kann in den Zustand zurückkehren, mich nur an ihn zu erinnern, wenn ich seine alte Hundehütte passiere.

Wer fragt, gewinnt

Zwischen Menschen stehen oft banale Dinge, die wir nicht ansprechen wollen. Auch das erzeugt Spannung. Ich kenne Menschen, denen hängt noch ewig etwas nach. Manchmal sind die Menschen, die das betrifft, denen sie vielleicht etwas übelnehmen, schon tot. Ich kann nur jedem raten, einfach mal nachzufragen, Dinge anzusprechen. Missverständnisse gibt es häufiger als wir denken und selbst, wenn uns die Antwort oder das, was wir hören, nicht gefällt, sie hilft uns zumindest abzuschließen und Energie für Neues freizusetzen.

Auszeit in der Gruppe:  

Vom 14.-21. Oktober 2017 reisen Menschen nach Spanien. Eine kleine und feine Gruppe. Sie wollen Klarheit für sich finden, Erholung und Lebensfreude. Vor allem aber wollen sie nicht allein vor dem großen weiten Meer der Möglichkeiten stehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszeit für mich ganz allein:

Oder Sie reisen ganz individuell. Ich begleite Sie und wir finden gemeinsam heraus was Sie bisher noch nicht integriert haben.

Frei von emotionalem Gepäck in den Sonnenaufgang paddeln

 

 

 

 

 

 

Für was auch immer Sie sich entscheiden – es wird Ihr Leben positiv verändern! 

Fragen? Dann rufen Sie mich einfach an.

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